Deutscher Kaiser 

Der König von Preußen stand gemäß der Reichsverfassung an der Spitze des Staates und trug in dieser Funktion den Titel Deutscher Kaiser. Den Titel Kaiser von Deutschland hatte Bismarck bewusst bei der Formulierung der Verfassung vermieden um die anderen Bundesfürsten nicht zu brüskieren. Der Titel Kaiser der Deutschen, welche der revolutionären Paulskirche entstammte, kam auch nicht in Frage.

Der Kaiser ernannte und entließ den Reichskanzler, konnte den Reichstag auflösen und Verordnungen erlassen, wobei er dabei auf die Gegenzeichnung durch den Reichskanzler angewiesen war. Zudem war er Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Über diktatorische Sondervollmachten, wie die Weimarer Reichspräsidenten, verfügte der Kaiser nicht. 

Bei Reichsgründung war das Amt nach Außen hin wie das eines Ersten Bundesfürsten konzipiert, der König von Preußen war der Primus inter pares, der Erste unter Gleichen Bundesfürsten, aufgrund der hegemoniellen Stellung Preußens, und trug aus diesem Grund den Titel Deutscher Kaiser. Die Rechte der anderen Bundesfürsten waren davon unabgetastet. Im laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich das Bild des Kaisers von eben einem solchen Ersten Bundesfürsten und vorrangig König von Preußen in den Augen der Menschen zu einem Reichsmonarchen. Dies lag zum einen am wachsenden Nationalbewusstsein, aber auch an der persönlichen Popularität der Kaiser. 

Hinsichtlich der praktischen Amtsführung unterschieden sich die verschiedenen Monarchen. Wilhelm I. überließ währen seiner Regierungszeit (1871 bis 1888), wie auch bereits davor die Gestaltung der Politik weitestgehend Otto von Bismarck. Der 99-Tage Kaiser Friedrich III. konnte 1888 keine politischen Akzente setzen, da er aufgrund seiner starken Erkrankung quasi Regierungsunfähig war, während einer früheren Vertretungsphase für seinen Vater konnte er sich nicht gegen Kanzler Bismarck durchsetzen. Kaiser Wilhelm II. dagegen entledigte sich schnell dem Eisernen Kanzler und mischte sich stärker in die Politik ein.  Der junge Kaiser wollte Deutschland durch sein Persönliches Regiment prägen und tat dies nachhaltig bis 1918.  Während seiner Regierungszeit setzte sich Wilhelm II. unter anderem für Soziale Reformen im Arbeitssektor ein und förderte die Wissenschaft sowie den wirtschaftlichen Aufschwung. Gleichzeitig führte er Deutschland aber auch in einen Rüstungswettlauf mit den anderen Großmächten.

Was Amtssitz und Residenz anging hatten die Kaiser verschiedene Vorlieben. Kaiser Wilhelm I. arbeitete oft vom Alten Palais, nahe des Prachtboulevard Unter den Linden, und grüßte von dort jeden Tag den Aufzug der Soldaten an der Neuen Wache. Sein Enkel Wilhelm II. residierte im Winter im nahen Berliner Schloss und in den Sommermonaten im Neuen Palais in Potsdam.