Deutsches Kaiserreich

Die Regierungszeit Otto von Bismarcks



Nach dem Erfolg im Deutsch-Französischen Krieg und der formalen Gründung des Deutschen Reiches, machte sich der Architekt des Kaiserreich, Reichskanzler Bismarck, daran den neugeschaffenen Bundesstaat zu konsolidieren.

Zu seinem äußeren Schutz ging Bismarck mehrere Verträge ein, welche Deutschland schützen und Frankreich isolieren sollten. Dies waren der Dreikaiserbund zwischen Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn, sowie der Dreibund zwischen Österreich-Ungarn, Deutschland und Italien. Darüberhinaus hatte das DeutscheReich, auch durch die Ehe Kronprinz Friedrich Wilhelm mit Prinzessin Victoria, der Tochter der Britischen Königin, auch freundschaftliche Beziehungen zum Herrscherhaus des Britischen Weltreich. Bismarck sorgte dafür, dass Deutschland nicht als Bedrohung für den Frieden wahrgenommen werden sollte, als ein Land ohne Expansionsgedanken. Diese Politik sicherte Deutschland nicht nur nach außen ab sondern machte Otto von Bismarck auch zum Gastgeber des Berliner Kongress, wo die Mächte Europas über die Zukunft des Balkans in Folge der Schwäche des Osmanischen Reiches berieten.

Innenpolitisch setzte der Eiserne Kanzler auf einen autoritären Kurs und ging mit entschlossener Hand gegen die Opposition vor. Dazu zählten besonders Sozialdemokraten und Katholiken. Auch um ersteren Zulauf zu nehmen, führte Bismarck die Sozialversicherung ein und legte den Grundstein für den Deutschen Sozialstaat.

Kaiser Wilhelm I., welcher bereits ein hohes Alter hatte, stützte den Kurs Bismarcks, soll aber gesagt haben das es nicht leicht war unter Bismarck Kaiser gewesen zu sein. Die Opposition am Hof bildeten insbesondere Kaiserin Augusta und Kronprinzessin Victoria, welche beide aufgrund ihrer liberaleren Grundhaltung dem reaktionären Junker Bismarck kritisch gegenüberstanden. Für die Kaiserin war Bismarck gar der erklärte, persönliche Todfeind.


 

Das Dreikaiserjahr 


Am 09. März 1888 entschied der greise Kaiser Wilhelm I. zu seinen Ahnen. War er zur Zeit der Revolution von 1848 noch als Kartäschenprinz verhasst gewesen und musste ins Exil fliehen, entwickelte er sich während seiner Zeit als Monarch zu einem abgesehenen und beliebten Landesvater.

Als Deutscher Kaiser und König von Preußen folgte ihm sein Sohn als Friedrich III.  Dieser war, durch seine Frau und sein Unfeld, liberaler eingestellt, konnte allerdings keine eigenen Akzente mehr setzen. Bereits vor der Thronbesteigung war Friedrich III. schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt. Er trug die Krone für nur 99 Tage und verstarb am 15. Juni 1888.  Ihm folgte Wilhelm II. als dritter Kaiser des Jahres. 

 

Das Wilhelminische Zeitalter 


 

Im Gegensatz zu seinem Großvater wollte Kaiser Wilhelm II. dem Deutschen Kaiserreich seinen persönlichen Stempel aufdrücken und Deutschland an einen Platz an der Sonne führen.  

Der junge Kaiser versetzte den alten Kanzler Bismarck in den Ruhestand und führte über seine neue Regierung mehrere Sozial- und Arbeitsreformen ein, welche als der Neue Kurs bekannt wurden.  

Außenpolitisch unterstützte Wilhelm II. die Forderung nach einem Kolonialreich und förderte aktiv den Aufbau der Marine, beides sollte Deutschland in Konflikt mit Großbritannien bringen und die Isolation Frankreichs lösen. 

Wurde Deutschland international mehr und mehr selber isoliert, entwickelte sich das Wilhelminischen Zeitalter im Inneren zu einer Blütezeit. Der Kaiser förderte die Wissenschaft und den wirtschaftlichen Aufschwung. Zudem zeichnete sich das Kaiserreich durch seine Kunst- und Kulturszene aus. 

Die Kaiserliche Familie genoss hohe Popularität und das Portrait des Kaiser selber hing auch bei vielen einfachen Leuten in der Wohnung.

Es war es auch eine Epoche in welcher Parteien und Gewerkschaften, sowie diverse andere Bewegungen wie die Frauenbewegung hohen Zulauf erhielten, und gleichzeitig eine gewisse weitverbreitete Militärbegeisterung herrschte.

Weltkrieg, Reformversuch, Kaisersturz


Es gibt Stimmen die sagen, dass Wilhelm II. als Friedenskaiser in die Geschichte eingegangen wäre, wäre seine Regentschaft von 1914 geendet. So wurde er zu einer Symbolfigur des Zusammenbruchs der bisherigen Ordnung. Als im Sommer 1914 der Konflikt sich anbahnte, rief der Deutsche Kaiser, nachdem ein persönlicher Friedensappell an seine Vettern König George V. von Großbritannien und Zar Nikolaus II. von Russland gescheitert war, das Deutsche Volk symbolisch zum Verteidigungskrieg gegen seine Feinde auf. 1916 initiierten der Kaiser und die Reichsregierung einen weiteren Friedensversuch, welcher aber Erfolglos blieb. Zu dieser Zeit hatte Kaiser Wilhelm II. bereits viel von seinem Einfluss an die Militärs der Obersten Heeresleitung eingebüßt, welche Stück für Stück eine Art Militärdiktatur errichteten. Für den Oberbefehlshaber, welcher der Kaiser gemäß der Verfassung war, blieben vorrangig nur symbolische Aufgaben wie das Verleihen von Orden. 

Als im Sommer 1918 der Erste Weltkrieg in seine Endphase ging und die Truppen der Entente an der Front durchbrachen kam zu Reformbewegungen auf Reichsebene. General  Ludendorff, welcher mit Generalfeldmarschall von Hindenburg die Spitze der Obersten Heeresleitung seit 1916 gebildet hatte musste zurücktreten, gleichzeitig rückte die zivile Reichsleitung unter dem neuen Reichskanzler Prinz Max von Baden, dem Sohn des Großherzogs von Baden und Vetter des Kaisers, in den Mittelpunkt. 

Prinz Max ernannte ein Kabinett welchem zum ersten Mal auch Mitglieder der SPD angehörten, welche seit 1912 die stärkste Fraktion im Reichstag stellten. Des Weiteren gehörten Ihr Liberale, Konservative, sowie Politiker des Zentrums und Parteilose an. Die neue Regierung arbeitete eine Verfassungsreform aus, welche die Macht des Reichstages weiter stärken sollte und die des Kaisers schwächen sollte. Deutschland sollte mit diesen Oktoberreformen kurzzeitig von einer Konstitutionellen zu einer Parlamentarischen Monarchie werden. Reichskanzler von Baden sah jedoch auch die Bedeutung der Monarchie für Deutschland nach Kriegsende und fand in Friedrich Ebert, dem Vorsitzenden der SPD, einen Partner. Beide wussten aber auch, dass weder Kaiser Wilhelm II. noch der Kronprinz gegenüber der Entente tragbar waren und auch im Volk an Zustimmung verloren hatten. Stattdessen sollte der älteste Sohn des Kronprinzen, Prinz Wilhelm von Preußen neuer Deutscher Kaiser und König von Preußen werden. Da dieser erst zwölf Jahre alt war und damit Regierungsunfähig, wurde eine Regentschaft angedacht, wobei Prinz Max von Baden als Reichsverweser fungieren sollte. Friedrich Ebert sollte als Vorsitzender der stärksten demokratischen Partei im Reichstag das Amt des Reichskanzlers übernehmen. 

Der Plan scheiterte letztlich an mehreren Faktoren. Zum einen weigerte sich Wilhelm II., bestärkt durch die Kaiserin, von seinem Thron abzulassen, zum wurde die Regierung von den Ereignissen im Land überrumpelt. Anfang November 1918 kam es zum Kieler Matrosenaufstand gegen die Marineleitung, in den folgenden Tagen bildeten sich im ganzen Reich Arbeiter- und Soldatenräte, welche in allen Bundesstaaten die Macht übernahmen und die Bundesfürsten und ihre Regierungen zum Machtverzicht zwangen. Schließlich kam die Revolution auch nach Berlin. Prinz Max der seine Ziele als gescheitert an sah trat zugunsten von Ebert zurück und zog sich ins Privatleben zurück, zuvor verkündete er noch eigenhändig die Abdankung des Kaisers. 

Der neue Reichskanzler hatte aber ebenso mit seiner Partei zu kämpfen. Hatte sich der linke Flügel um Wilhelm Liebknecht und Rosa Luxemburg bereits während des Krieges aufgrund diffuser Meinungen zur Rolle der SPD zum Krieg und Ihrer Rolle im Reich abgespalten und die USPD gegründet, existierten in der sogenannten MSPD ebenfalls zwei Lager. Das der Anhänger Eberts welche die Wichtigkeit einer Zusammenarbeit mit den bisherigen Machthabern sowie die Bedeutung des Erhalts des Kaisertums in einer reformierten Parl. Monarchien sah, und das Lager von Befürwortern eines radikalen Wandels hinzu einer Republik. Zu letzteren gehörte auch der Kaiserliche Staatssekretär Philipp Scheidemann. Als am Tag  der Großdemonstration der Revolutionäre im Zentrum der Reichshauptstadt, Gerüchte laut wurden Liebknecht plane die Ausrufung einer Sozialistischen Republik, ging Scheidemann ans Fenster des Reichstages, verkündete das Ende der Monarchie und rief die Deutsche Republik aus. Dies geschah sehr zum Missfallen Eberts, mit dem dies nicht abgestimmt war und der darauf bestand eine solche Frage könne nur eine gewählte Verfassungsgebende Versammlung entscheiden. Da auch Liebknecht vom Schloss aus die Sozialistische Räterepublik ausrief, kam es in der Folge zu Bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Wobei der sich der von Ebert geführte Rat der Volksbeauftragten bzw. die Weimarer Reichsregierung, unterstützt von Militär und rechten Freikorps, sich gegen die Kommunisten stellten, aber auch selber von reaktionären Kräften bedroht wurde. 

Die Mitglieder des Haus Hohenzollern spielten hierbei keine tragende Rolle, allerdings wurde Kaiserenkel Prinz Wilhelm, nun Schüler aus dem Potsdamer Realgymnasium und später u.a. in Bonn Student, von Monarchisten als legitimer Thronerbe gesehen. Als er 1940 als Leutnant der Reserve an der Westfront fiel, versammelten sich spontan tausende in Potsdam zu seiner Beisetzung und gedachten Ihrem Prinzen. Dies stellte die größte nicht vom Regime organisierte Versammlung während der NS-Zeit dar und verdeutlichte die immer noch starken Bindungen zum Kaiserhaus. Ein Punkt der dadurch verstärkt wurde, dass Hitler daraufhin den Prinzenerlass erließ, welcher Mitgliedern früherer regierender Häuser den Fronteinsatz verbat, befürchtete er doch weitere Sympathiebekundungen.  Wilhelms Großvater Kaiser Wilhelm II. war 1918 ins Exil in die Niederlande geflohen und verbrachte im Huis Doorn seine letzten Tage, wo er 1941 starb. Kaiserin Auguste verschied 1921 und wurde unter ebenfalls großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erklärte Prinz Louis Ferdinand von Preußen, dass er nicht die Krone anstrebe aber Deutschland dienen werde wenn es Ihn rief, in einer Umfrage aus den 50er Jahren sprach sich eine nicht repräsentative Mehrheit für ihn als Bundespräsidenten aus.