Preußen
Geschichte Preußens
Im 13. Jahrhunderte gründete der Deutsche Orden, im Auftrag des römisch-deutschen Kaisers Friedrich II., im Nordosten Europas ein eigenes Herrschaftsterritorium, welches fortan als Deutscher Ordensstaat gelten sollte. Ursprünglich dazu gedacht die Missionierung der lokalen Bevölkerung voranzutreiben, entwickelte sich der Ordensstaat zu einem mächtigen Modellstaat und stand schon bald in Konkurrenz zur Polnischen Krone. Als Zeichen Ihrer Macht errichteten die Hochmeister des Deutschen Orden die Marienburg, eine der größten und mächtigsten Festungsanlagen, welche bis heute im gleichnamigen Ort existiert und zu den Wahrzeichen der Region zählt.
Deutsche Siedler und die einheimische Bevölkerung vermischten sich in den folgenden Jahrhunderten mehr und mehr und es entwickelte sich eine eigen preußische Identität. Der Name Preußen leitete sich vom Namen der lokalen Prußen ab.
Im 15. Jahrundert kam es dann zur Abspaltung des westlichen Teils vom Ordensstaat in einen eigenen polnisch-preußischen Ständestaat, welcher fortan auch als Preußen Königlichen Anteils, welcher jedoch in der Folge in einer Personal- und später Realunion mit der Polnischen Krone verbunden sein sollte. Aus dem restlichen Ordensstaat wurde 1525 das Herzogtum Preußen, nachdem der letzte Hochmeister Albrecht, aus dem Haus Hohenzollern, vor dem König Sigismund von Polen den Lehnseid gesprochen hatte. Zuvor war Albrecht zum Protestantismus konvertiert und es war immer wieder zu Versuchen Polen-Litauens gekommen den Ordensstaat zu unterwerfen, bei dessen Verteidigung der Hochmeister nur schleppend Unterstützung aus dem Reich fand. Die Herzogswürde sollte den Bestand Preußens und die Herrschaft Albrechts sichern.
In den kommenden Jahrzehnten konnte das Herzogtum Preußen, obwohl es eigentlich ein polnischen Lehen war, seine defacto Souveränität festigen, während die Königliche Macht mit wenigen Ausnahmen an Stärke verlor. Nach dem Tod Albrechts folgte ihm sein Sohn Albrecht Friedrich an den Thron, welcher jedoch zunächst Minderjährig und später Geisteskrank war. An seiner Stelle regierten die verwandten Kurfürsten von Brandenburg als Administratoren das Herzogtum bevor Kurfürst Johann Sigismund 1618 auch formal die Herzogswürde übernahm, nachdem Albrecht Friedrich ohne Erben verstorben war. Seit diesem Moment sprach man dann auch von Brandenburg-Preußen, wobei die zwei Herrschaftsgebiete in den kommenden Jahrzehnten mehr und mehr zusammenwachsen sollten.
Kurfürst Friedrich Wilhelm, auch bekannt als der Große Kurfürst, konnte Brandenburg-Preußen erfolgreich gegen die Schwedischen Hegemonialansprüche und Eroberungsversuche verteidigen und zudem im Vertrag von Wehlau 1657 die offizielle Souveränität des Herzogtum Preußens von Polen-Litauen erreichen. Sein Sohn und Erbe krönte sich, mit Zustimmung Kaiser Leopolds I., 1701 in Königsberg zu König Friedrich I. in Preußen. Im folgten König Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II, genannt der Große, welche Brandenburg-Preußen weiter stärken sollten. So leiteten sie wichtige Reformen im Verwaltungs-, Justiz- und Bildungswesen ein, stärkten die Armee und Wirtschaft und förderten Kunst und Kultur, wobei jeder von ihnen verschiedene Schwerpunkte legte. Durch Erfolge in den den Schlesischen Kriegen, dem Österreichischen Erbfolgekrieg und dem Siebenjährigen Krieg gegen das Habsburgerreich und das Kurfürstentum Sachsen konnten die Hohenzollern Ihre Macht in der Region ausbauen und das Königreich Preußen zu einer führenden Macht etablieren. Gleichzeitig blieb ihr Territorium jedoch ein weitläufiger Flickenteppich. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gelang es Preußen zudem, aufgrund der Schwäche Polen-Litauens sich den westlichen Teil des alten Ordensstaaten und weitere Gebiete rundherum einzuverleiben, fortan sprach man von Ostpreußen und Westpreußen, in der Folge sollte auch noch Posen dazukommen, weite Teile Schlesiens waren bereits durch Erfolge gegen die Habsburger einverleibt worden.
Als in Frankreich 1789 die Revolution ausbrach und 1793 u.a. König Louis XVI. ermordet wurde, schloss sich neben Österreich auch Preußen, unter Friedrich Wilhelm II., einer Koalition an, um die Königliche Macht in Frankreich wieder zu errichten. Die Französische Republik konnte sich den folgenden Jahren jedoch behaupten und ging schließlich unter der Führung Napoleon Bonapartes in die Offensive über. Der sich 1804 zum Kaiser der Franzosen gekrönte korsische General gab durch seinen Sieg bei Austerlitz 1805 gegen Russland und Österreich dem Heiligen Römischen Reich den endgültigen Todesstoß und konnte 1806 auch Preußen eine erhebliche Niederlage beifügen. In der Folge verlor Preußen weite Teile seines Territorium, im Westen u.a. an das Königreich Westfalen und im Osten an das Herzogtum Warschau. Das Land wurde von Französischen Truppen besetzt und geplündert und König Friedrich Wilhelm III. musste seine Truppen für Napoleons Feldzug gegen Russland bereitstellen.
Als der Russlandfeld Napoleons sich jedoch in eine Niederlage entwickelte, probte der Preuße General von Yorck den offenen Aufstand und griff die Franzosen an. Aufgrund der allgemeinen Anti-Franzosenstimmung und eines aufkommenden Nationalgefühls setzte sich Friedrich Wilhelm III. an die Spitze der Befreiungsbewegung und forderte sein Volk auf gegen die Französischen Besatz zu kämpfen. In den Jahren davor war der Preußische Staat grundlegend Reformiert und neue modernisierte Armee neuaufgestellt worden, welche sich an der Armee Napoleons orientierte. Zwichen 1813 und 1815 gelang es Preußen an der Seite seiner Verbündeten aus Russland, Österreich, Schweden und Großbritannien Napoleon zustürzen und Deutschland zu befreien und Preußen sein Territorium deutlich vergrößern.
In den kommenden Jahrzehnten erhofften sich viele Anhänger der Idee eines deutschen Nationalstaates, dass der Preußische König die Einigung der Nation fördern und vorantragen würde. Friedrich Wilhelm III. und sein Sohn Friedrich Wilhelm IV. förderten diesen Gedanken jedoch nur wenig und lange gehörte Preußen zu den Staaten ohne Verfassung sondern wurde absolut regiert. Erst durch die Revolution 1848/49 änderte sich dies. In den folgenden Jahren wurde Preußen stärker zu einem Motor der deutschen Einigung. 1871 wurde schließlich die Deutsche Einheit unter Führung Preußens vollendet.
Preußische Reformen
Während Ihrer Herrschaft setzten die Hohenzollern in Brandenburg-Preußen mehrere Reformen durch. So reformierte Friedrich Wilhelm I. die Armee Brandenburg-Preußens und führte in seinen Gebieten die Schulpflicht ein. Sein Sohn Friedrich II. führte die Glaubens- und Religionsfreiheit, sowie eingeschränkt Meinungsfreiheit ein und setzte sich für eine Abschaffung der Leibeigenschaft ein. Hinzu kamen weitere Reformen im Bereich der Verwaltung, Justiz und Bildung. Unter seinem Nachfolger Friedrich Wilhelm II. trat 1794 das Allgemeine Preußische Landrecht in Kraft welches Straf-, Zivil- und Öffentliches Recht in einem Gesetzbuch vereinheitlichte.
Ab 1807 infolge des verheerenden Ausgangs der Schlacht bei Jena und Auerstedt gegen das Napoleonische Frankreich sah sich der Preußische König Friedrich Wilhelm III. samt Staatsapparat zu Reformen gezwungen, welche die Staatsminister Karl Freiherr vom Stein und Karl August von Hardenberg einleiteten, um denkbar möglichen Revolutionären zuvorzukommen und ein zentralisiertes Machtgefüge in einem durchaus modernisierten Staat aufrechterhalten zu können. Jene Reformen wurden in drei grundlegenden Strukturen in Form von „Säulen“ im Wesentlichen niedergeschrieben:
1. Säule (Erneuerungen):
- Befreiung der Bauern
- Gleichstellung der Bürger
- Selbstverwaltung der Städte durch gewählte Volksvertreter
- Neuordnung der Staatsverwaltung durch verantwortliche Fachminister
- Einführung der Gewerbefreiheit
- Gleichberechtigung der Juden
2. Säule (Bildungsreform)
- Erneuerung des Bildungswesen im Sinne des Humanismus
- Durchsetzung der allgemeinen Schulpflicht
- Gründung der Friedrich-Wilhelm-Universität Berlin (heutige Humboldt-Universität)
3. Säule (Heeresreform) / Verantwortlichkeit
- Modernisierung der Preußischen Armee
- Abschaffung der Prügelstrafe für Soldaten
- Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
Bedeutende Reformer hierbei waren insbesondere Wilhelm von Humboldt, Karl August von Hardenberg, der Freiherr vom Stein und die Generale Scharnhorst und Gneisenau. Ihre Reformen sollten Preußen nach der Niederlage neuerstehen lassen und bis heute in Deutschland weitgehend wieder finden lassen.