Militär und Gesellschaft 

Das Militär war in Preußen stets ein wesentlicher Faktor gewesen, hatte es doch nachhaltig zu seinem Aufstieg zur Großmacht beigetragen. Ein Spruch lautete das sich Länder Armeen halten, Preußen dagegen wäre eine Armee mit einem Land. Das ist natürlich nicht ganz sachlich, zeigt aber dennoch das Preußen auch stark durch seine Armee wahrgenommen wurde. Doch wie zeigte sich dies im Deutschen Kaiserreich? 


Zum einen dadurch, dass sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die meisten deutschen Staaten sich in Sachen Ausrüstung und Uniformierung an Preußen orientierten. Symbolisch dafür ist die Pickelhaube welche ursprünglich in Preußen eingeführt wurde und schließlich als das Erkennungszeichen deutscher Soldaten und für deutschen Militarismus stand. Mehr noch die Pickelhaube gilt bis heute als ein wesentliches Merkmal das mit Preußen und dem Kaiserreich assoziert wird. Wesentlichen Anteil daran leistete auch Kaiser Wilhelm II., welcher als Uniformnah galt und in der Öffentlichheit oft mit Pickelhaube und Uniform auftrat. 

Auch allgemein galt das Militär in der Gesellschaft als hoch angesehen. Der Dienst beim Militär galt als selbstverständliche Pflicht jedes männlichen Staatsbürgers und Offizier zu sein, am besten in einem Garderegiment, half auch beim sozialen und beruflichen Aufstieg. Soldatischs Auftreten galt als vorbildlich und der in der Kindermode war der Matrosenanzug ein verbreitetes Kleidungsstück. Militärparaden, insbesondere die Kaisermanöver, erfreuten sich großer Beliebtheit in der Öffentlichkeit.

Aber auch realpolitisch nahm das Militär großen Einfluss. Heer und Marine standen nicht unter der Kontrolle des Parlaments sondern waren einzig und allein dem Deutschen Kaiser als Oberbefehlshaber verantwortlich. Dabei nahmen die führenden Militärs großen Einfluss auf den Monarchen, welcher im Ersten Weltkrieg seiner Rolle als Oberbefehlshaber nicht gerecht werden sollte. Statt einem angeschlagenen Wilhelm II., nahmen Heerführer wie Hindenburg und Ludendorff die Führung Deutschlands und errichten quasi eine Militärdiktatur. Als Kaiser und zivile Regierung wieder die Initiative übernehmen wollten, war die Niederlage bereits unabwendbar, politische Reformen unabdingbar und die Revolution im aufglühen. 

Der Versailler Vertrag von 1918 schrumpfte das Militär in Deutschland zusammen, dennoch behielt es in konservativen und reaktionären Teilen einen positiven Ruf. Die Reichswehr entwickelte sich in der Weimarer Republik noch mehr zu einem Staat im Staate und ihre Führung stand der neuen Regierung kritisch gegenüber. Ab 1933 stellten sich weite Teile der Militärführung bereitwillig in den Dienst des neuen Reichskanzlers und Führers Adolf Hitler. Aber auch abseits vom eigentlichen Militär war das militaristische Erbe sichtbar. Fast alle politischen Parteien hatten paramilitärische Organisationen und bereits die Jugendverbände waren oftmals uniformiert.