Deutsche Einigungsgeschichte

Befreiungskriege


Die Befreiungskriege begannen 1813 mit der Bildung der "Sechsten Koalition" gegen Frankreich, die unter anderem Russland, Großbritannien, Preußen und Schweden umfasste. Nachdem Frankreich große Teile seiner Armee im Russlandfeldzug von 1812 verloren hatte, konnten die Koalitionstruppen erzielten bedeutende Siege gegen die Franzosen und drängten sie zurück. Die Schlacht bei Leipzig, auch als "Völkerschlacht" bekannt, war ein Wendepunkt und führte zur Niederlage Napoleons. 
 
Besonders beachtlich ist, dass es in diesen Befreiungskriegen zum ersten Mal eine Arte von Deutschem Nationalbewusst sein herausbildete, dies war auch maßgeblich durch Agitatoren gegen die Herrschaft Napoleons, wie den Freiherr von Stein beeinflusst. So bildeten sich in diesem Krieg auch zum ersten Mal eine Art von Nationalhelden, besonders unter den preußischen Generälen heraus. 
 
Das Jahr 1814 sah schließlich den Fall Napoleons und seine Verbannung auf die Insel Elba. Der Wiener Kongress im selben Jahr versammelte die europäischen Mächte, um die Nachkriegsordnung zu gestalten. Ziel war es, eine Balance der Macht wiederherzustellen und die politische Stabilität Europas zu gewährleisten. Neue Grenzen wurden festgelegt, alte Monarchien wiederhergestellt und ein System der Kollektiven Sicherheit geschaffen. 
 
Allerdings kehrte Napoleon im Jahr 1815 aus seinem Exil auf Elba zurück und entfachte die "Herrschaft der Hundert Tage". Dies führte zur Bildung der "Siebten Koalition" und kulminierte in der berühmten Schlacht von Waterloo, in der die Koalitionstruppen unter der Führung des britischen Herzogs von Wellington und des preußischen Generals Blücher Napoleon endgültig besiegten. 
 
Die Niederlage Napoleons in Waterloo markierte das Ende der Befreiungskriege und seiner Herrschaft. Er wurde erneut abgesetzt und dieses Mal auf die abgelegene Insel St. Helena verbannt, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1821 blieb. 
 
Die Befreiungskriege hatten tiefgreifende Auswirkungen auf Europa. Sie beendeten die napoleonische Ära, gaben den Nationen Europas die Möglichkeit zur Wiederherstellung ihrer Unabhängigkeit und halfen, das Gleichgewicht der Mächte wiederherzustellen. 


Wiener Kongress und Restauration


 

Nach der ersten Niederlage des Napoleoniscchen Frankreichs und der Verbannung des selbsterklärten Kaisers der Franzosen auf die Insel Elba, versammelten sich die Monarchen und Gesandten der Staaten in Europas in Wien, um die Neuordnung des Kontinents zu entscheiden.  Der Architekt und defacto Gastgeber des Kongress war der Österreichische Stastskanzler Fürst von Metternich.

Frankreich wurde in den Kreis der Mächte Europas wieder aufgenommen, wobei es Streit über die Frage gab wer die Krone Frankreichs tragen sollte. Schließlich wurde sich gegen den Sohn Napoleons und für den Grafen der Provonce, den Bruder des ermorderen Louis XVI., entschieden welcher als König Louis XVIII. wieder den Thron bestieg. Napoleon Franz Bonaparte erhielt von seinem Großvater Kaiser Franz I. die Würde eines Herzogs von Reichstadt.

Anstelle des 1806 aufgelösten Heiligen Römischen Reich trat in den deutschen Landen der Deutsche Bund. Eine lose Konföderation aus unzähligen größeren und kleineren Staaten, dominiert vom Kaisertum Österreich und Königreich Preußen. Letzteres konnte auf dem Kongress Gebietsgewinne an Rhein und Ruhr verzeichnen, während Österreich den Vorsitz im Bundestag in Frankfurt erhielt, einer Versammlung der Vertreter der Regierungen der Mitgliedsstaaten des Bundes. Kurhannover wurde als Königreich Hannover wieder errichtet, die Königswürden von Bayern und Württemberg, sowie weitere Rangerhöhungen, welche auf Napoleon zurückgingen bestätigt. Das Königreich Sachsen, welches am längsten am Bündnis mit Frankreich festgehalten hatte, muss Gebietsverluste an Preußen hinnehmen, durfte aber auch seine Krone behalten, die Hoffnung des Kurfürsten von Hessen-Kassel auf die Königswürde erfüllte sich nicht.  

Der Wunsch nach Nationaler Einheit, welcher sich im Zuge dr Revolution in Frankreich, den Koalitions- und Befreiungskriegen in Deutschland verstärkt hatte, wurde nicht entwickelt. Überhaupt setzte man alles daran jegliche konstitutionelle, liberale und nationale Bestrebung zu unterdrücken Ging es nach den reaktionären Hardlinern sollte der Zustand vor 1789 wieder hergestellt werden zumindest was Politik und Gesellschaftsordnung anbelangte. Doch dies war praktisch nicht mehr möglich. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten sollte der Wunsch nach Nation und Freiheit erhalten bleiben. Die 1815 geschlossene Heilige Allianz auf Östereich, Preußen und Russland, der 1818 Frankreich beitrat, sollte daran nichts ändern. 

Nationalbewegung im Vormärz


Nach dem Sieg über Napoleon in Europa wurde durch den Wiener Kongress 1814/15 Europa neu geordnet. Statt des von vielen erhofften deutschen Nationalstaats riefen die deutschen Fürsten den Deutschen Bund ins Leben. Dieser umfasste 37 Fürstentümer und vier Freie Städte. Einziges Bundesorgan war der unter dem Vorsitz Österreichs tagende Bundetag in Frankfurt am Main, eine Versammlung von Gesandten der Regierungen der Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes. 

Obwohl die Gestaltungsmöglichkeiten des Deutschen Bundes angesichts der Schwerfälligkeit seiner institutionellen Einrichtungen eingeschränkt waren, erwies er sich lange Zeit als ein effektives Instrument zur Unterdrückung oppositioneller Bestrebungen, wozu insbesondere auch liberale und nationale Bestrebungen zählten. 

Die Umsetzung der in der Bundesakte in Aussicht gestellten Verfassungen in den Einzelstaaten blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Während eine Reihe von mittel- und norddeutschen Staaten sich erst später eine Verfassung gab, lehnten Preußen und Österreich die Einführung von Verfassungen für ihre Herrschaftsgebiete bis 1848 ab. Nur in den süddeutschen Staaten wurden landständische Repräsentativverfassungen erlassen, die im begrenzten Umfang auch freiheitliche Bürger- und Teilhaberechte gewährten. Die in diesem Zusammenhang eingerichteten Volksvertretungen gaben der oppositionellen Bewegung neue Entfaltungsmöglichkeiten und markieren den Beginn der parlamentarischen Entwicklung in Deutschland. So scheiterten trotz einiger liberaler Reformen substanzielle Veränderungen stets am Alleinvertretungsanspruch der monarchischen Staatsspitze. 

Im Bürgertum und an den Universitäten wurde stark für liberale und nationale Ideen geworben. Das Wartburgfest 1817, zu dem sich rund 500 Studenten versammelten und der Kritik an den bestehenden Verhältnissen Ausdruck gaben, war die erste gesamtnationale Veranstaltung der deutschen Nationalbewegung. Die Ermordung des Schriftstellers August von Kotzebue durch den Burschenschaftler Karl Ludwig Sand 1819 in Mannheim leitete eine Phase verschärfter Überwachung und Repression ein. Die auf Betreiben des österreichischen Staatskanzlers und Außenminister Fürst von Metternich 1819 verabschiedeten Karlsbader Beschlüsse etablierten ein polizeistaatliches Überwachungs- und Unterdrückungsregime, das auf die komplette Niederhaltung oppositioneller Bestrebungen zielte. Im Zuge der durch die in Mainz eingerichtete Zentraluntersuchungskommission wurden führende Vertreter der Opposition mit harten Sanktionen zum Schweigen gebracht. Die nationale und liberale Bewegung wurde dadurch organisatorisch schwer getroffen und in ihrer Entfaltung zurückgeworfen. 

Erneuten Auftrieb erhielt die Oppositionsbewegung durch die Pariser Julirevolution und den polnischen Aufstand zu Beginn der 1830er Jahre. Vielerorts kam es zu Protesten und Unruhen gegen wirtschaftliche Missstände und politische Unterdrückung. In Braunschweig, Sachsen, Kurhessen und Hannover sahen sich die regierenden Fürstenhäuser zu Zugeständnissen in der Verfassungs- und Bürgerrechtsfrage gezwungen. Auf Initiative des Press- und Vaterlandsvereins versammelten sich am 1832 über 20.000 Menschen zu einer großen Nationalfeier auf Schloss Hambach, um die Schaffung eines demokratischen deutschen Nationalstaats in einem freiheitlichen Europa zu fordern. Diese erste große politische Massendemonstration in Deutschland, bei der viele Festteilnehmer schwarz rot goldene Fahnen - den allgemein als Symbol der deutschen Einheit anerkannten Farben der Burschenschaft - trugen, gab der oppositionellen Bewegung mächtigen Auftrieb. Der Ruf nach verfassungspolitischen Veränderungen war fortan nicht mehr zu unterdrücken. Als dann im Februar 1848 in Frankreich erneut die Revolution ausbrach und König Louis-Philippe I. gestürzt wurde, schwappte die Welle der Revolution im März auch auf den Deutschen Bund über und mit ihr die verstärkte Forderung nach Nationalstaat, Bürgerrechten und Verfassung.



 

Revolution und Kaiserdeputation


Nachdem im Februar 1848 in Frankreich König Louis-Philippe I. aus dem Haus Orleans, der sogenannte Bürgerkönig, gestürzt worden war und ins Exil nach Großbritannien fliehen musste, brach im März auch im Deutschen Bund aus. Nationalliberale Kräfte forderten das Ende der repressiven Politik, eine Verfassung, eine Stärkung der Bürgerrechte und Freiheiten sowie die Nationale Einheit des Landes.

Viele Bundesfürsten ernannten sogenannte liberale Märzregierungen, der Bruder von Preußischen Königs, Prinz Wilhelm, musste ins Exil fliehen, und im Kaisertum Österreich trat Staatskanzler Fürst von Metternich zurück, welcher ein zentrales Symbolbild der Politik der Restauration gewesen war. Schließlich kam es in Frankfurt am Main, der Stadt wo der Deutsche Bund tagte und in der Vergangenheit die Kaiser des Alten Reiches gewählt und gekrönt wurden, zur Konstituierung der Nationalversammlung in der Paulskirche.

Die Nationalversammlung stellte das erste frei gewählte, gesamtdeutsche Parlament dar. Die Abgeordneten erklärten Schwarz Rot Gold zu den deutschen Nationalfarben und debattierten über die Frage der Nationalen Einheit Deutschlands. Schließlich konnten sich Befürworter einer Kleindeutschen Lösung unter Preußischer Führung, sich gegen die Anhänger einer Großdeutschen Lösung unter Führung Österreichs durchsetzen, ebenso die Befürworter einer Konstitutionellen Monarchie gegen die damals eher kleine Zahl an Republikanern.  Zudem verabschiedeten die Abgeordneten am 28.03.1849 die erste Gesamtdeutsche Verfassung, welche in der Folge aber defacto nie zur Anwendung kommen sollte.

Kaiser der Deutschen sollte Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen werden.  Dieser hatte sich in Berlin, in Folge von Straßenkämpfen und Aufgrund der Gesamtsituation, den Revolutionären teilweise beugen müssen, und empfing nun eine Delegation aus der Paulskirche im Berliner Schloss. Der König war jedoch nicht Willens eine Krone durch das Volk anzunehmen, und bestand darauf das ihm die Kaiserkrone weder zustehe und die Herrschaftswürde nur von Gott verliehen werden könne.

In den folgenden Monaten drehte sich der Wind. Die Revolutionären zerstritten sich zwischen jenen welche auf Verhandlungen setzten und jenen welche den Kampf fortführen wollten. Parallel dazu gingen Truppen des Königreichs Preußen und des Kaisertum Österreich, wo der junge Kaiser Franz Joseph den Thron übernommen hatte, in die Offensive über und schlugen nach und nach jeden Funken der Revolution nieder. Eine Restauration hin zu  einer alten Ordnung des Gottesgnadentum konnten Sie jedoch nicht mehr durchsetzen. Der Wunsch der Vereinigung der Nation blieb, ebenso  die Verfassungen und damit verknüpften Rechten  in vielen Bundesstaaten.
 

Preußisch-Österreichischer Dualismus


Die Habsburger stellten spätestens seit dem 15./16. Jahrhundert eine der bedeutensten Dynastien in Europa und herrschten Zeitweise über weite Teile Mitteleuropas, Spanien, den heutigen Benelux-Staaten und Teilen Italiens. Zudem stellten sie mehrere Jahrhunderte die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.  Brandenburg-Preußen war dagegen ein loser Flickenteppich bestehend aus dem Herzogtum/Königreich Preußen, Kurbrandenburg und weiteren Besitzungen der brandenburgischen Hohenzollern, das Stück für Stück zusammenwuchs. Im 17./18. Jahrhundert konnte Brandenburg-Preußen seine Stellung jedoch festigen und ausbauen, dies gelang insbesondere dank seines Militärs und aufgrund fortschrittlicher und nachhaltiger Reformen im Wirtschafts-, Sozial- und Bildungswesen. Schließlich konkurrierte man offen mit dem Habsburgerreich um Einfluss im Reich als auch um Territorien. So gelang es Friedrich dem Großen Preußen als Großmacht zu etablieren und unter anderem weitere Teile Schlesiens für das Königreich Preußen zu gewinnen.

Durch die Rolle in den Befreiungskriegen und den Wiener Kongress wurde die Stellung Preußens und Österreichs als Hegemonialmächte in Deutschland bestätigt. Sie stellten die mächtigsten Bundesfürsten, die stärksten und größten Armeen, ihre Länder hatten die bedeutenste Wirtschaft und auch Flächenmäßig waren ihre Reiche am größten. Gleichzeitig waren beide Staaten die einzigen, welche defacto eine selbstständige Außenpolitik gegenüber den anderen Großmächten in Europa betreiben konnten. 

Durch den aufkommenden und sich verfestigtenden Nationalismus stellte sich aber auch die Frage nach der offiziellen Führungsrolle im Deutschen Bund oder einem möglichen Nationalstaat. Österreich, hatte den Vorsitz im Deutschen Bund inne, an einer Führungsrolle in einer Nation der Deutschen war man jedoch weniger interessiert. Die Kaiser von Österreich konzentrierten sich auf Ihre Rolle als absolute Herrscher in den Erb- und Kronlanden der Habsburgermonarchie. Die Hoffnungen der Nationalbewegung lagen eher auf den Hohenzollern, doch weder Friedrich Wilhelm III. noch Friedrich Wilhelm IV. konnte oder wollte angedeutete Versprechungen und Hoffnungen erfüllen.  So sollte 1849 die Kaiserdeputation scheitern, als König Friedrich Wilhelm IV. die Würde eines Kaisers der Deutschen aus den Händen der Frankfurtter Nationalversammlung ablehnte und auf das Gottesgnadentum verwies. 

Nichtsdestotrotz konnte sich Preußen der Frage der nationalen Einheit und dortigen Führungsverhältnisse nicht entziehen. 1849/50 versuchte Preußen den Deutschen Bund mit der Erfurter Union in einen Nationalstaat unter Führung Preußens umzuwandeln, dies scheiterte aber am Widerstand Österreichs, Russlands und einiger deutscher Staaten. Schließlich wurde der Deutsche Bund in seiner alten Form wieder hergestellt. Als 1861 Otto von Bismarck Ministerpräsident von Preußen werden sollte, setzte er sich energisch und erfolgreich für die Einheit Deutschlands unter Führung Preußens ein, dies tat er jedoch nicht mit Worten sondern mit Eisen und Blut. Österreich wurde 1866 aus dem deutschen Einigungsprozess herausgedrängt und ging von dahin separate Wege. 


 

 

Einigungskriege und Reichsgründung


Die Deutschen Einigungskriege waren eine Serie von drei Kriegen, die zwischen 1864 und 1871 geführt wurden und schließlich zur Vereinigung Deutschlands unter der Führung Preußens führten.

 

Der erste Krieg, der als Schleswig-Holstein-Krieg bekannt ist, wurde 1864 zwischen Preußen und Österreich gegen Dänemark geführt. Preußen und Österreich waren in ihren Bemühungen erfolgreich, und als Ergebnis wurden Schleswig und Holstein von Dänemark übernommen und gemeinsam von Preußen verwaltet. 

 

Der zweite Krieg, der Österreichisch-Preußische Krieg von 1866, wurde zwischen Preußen und seinen deutschen Verbündeten gegen Österreich und seine deutschen Verbündeten geführt. Preußen ging als Sieger hervor, und Österreich war gezwungen, die Kontrolle über Holstein an Preußen abzutreten und sich aus deutschen Angelegenheiten zurückzuziehen.

 

Der dritte und letzte Krieg, der Deutsch-Französische Krieg von 1870-1871, wurde zwischen Preußen und Frankreich ausgetragen. Preußen konnte Frankreich besiegen und in der Folge wurden die verbleibenden deutschen Staaten unter der Führung Preußens vereint, wobei König Wilhelm I. von Preußen 1871 zum ersten deutschen Kaiser ausgerufen wurde.

 

Die Vereinigung Deutschlands brachte große politische und wirtschaftliche Veränderungen mit sich und das Land wurde zu einer der mächtigsten Nationen in Europa. Die Deutschen Einigungskriege spielten eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung des modernen Deutschlands und seiner Stellung in der Welt.